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Von wegen „Digital Natives“. Noch machen Gelegenheitsnutzer und nicht-analoge Außenseiter das Gros der digitalen Gesellschaft aus, wie eine Studie von TNS Infratest belegt. „Noch immer sind 62 Prozent der Deutschen nicht versiert im Umgang mit digitalen Medien. Die positive Entwicklung im letzten Jahr konnte nicht fortgesetzt werden“, konstatiert Robert Wieland, Geschäftsführer TNS Infratest GmbH und Mitglied des Gesamtvorstandes der Initiative D21. Die TNS-Infratest-Studie untersucht und kategorisiert seit 2009 die deutsche Gesellschaft hinsichtlich ihrer Entwicklung im digitalen Zeitalter. Sechs Nutzertypen konnten dabei innerhalb der Bevölkerung mittels statistischer Verfahren identifiziert werden: Digitale Außenseiter, Gelegenheits- und Berufsnutzer, Trendnutzer, Digitale Profis, Digitale Avantgarde.
Der Drei-Jahres-Vergleich zeigt: Der Anteil an der Bevölkerung, der souverän mit digitalen Medien umgeht (Trendnutzer, Digitale Profis, Digitale Avantgarde), stieg kontinuierlich an. Nach den großen Verbesserungen im Vorjahr sind 2011 allerdings nur marginale Veränderungen zu sehen. Mögliche Gründe hierfür könnten in der geringeren Wachstumsrate der Internetnutzung zu sehen sein oder auch in der allgemeinen Diskussion über digitale Medien. Insbesondere Vorbehalte gegenüber dem Schutz der Privatsphäre und Security-Aspekte bremsen die Entwicklung.
Der Anteil der Digitalen Außenseiter verringerte sich gegenüber dem Vorjahr auch nur noch um zwei Prozentpunkte und liegt bei 26 Prozent aller Internetnutzer. Völlig unverändert geblieben sind die Anteile der Gelegenheitsnutzer mit 28 Prozent und der Berufsnutzer mit sieben Prozent. Alle drei Gruppen zusammen bilden nach wie vor den Großteil der Bevölkerung ab, der im Umgang mit den digitalen Medien wenig oder nicht souverän ist. „Hier besteht deutlicher Handlungsbedarf, damit wir im digitalen Zeitalter wettbewerbsfähig bleiben“, bringt es Hans-Joachim Otto, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für Wirtschaft und Technologie, auf den Punkt. Erreichen lasse sich das, indem das Vertrauen in die digitalen Medien gestärkt würde, mit dem Ziel, die ersten Schritte in der digitalen Welt zu erleichtern und die digitale Kompetenz zu erhöhen. Im Fokus sollten dabei die Menschen stehen, die bisher nur rudimentär digitale Medien nutzen.
Dazu zählt mit 26 Prozent der Bevölkerung das Segment der Digitalen Außenseiter, immerhin die zweitgrößte Nutzergruppe. Charakteristisch für sie ist:
Die Digitalen Außenseiter erkennen keinen Vorteil in der Nutzung der digitalen Medien und viele haben Angst vor der gebotenen Vielfalt. Folglich zeigt sich auch eine große Zurückhaltung gegenüber technischen Neuheiten. Dies spiegelt sich in einem sehr eingeschränkten Nutzungsspektrum und einem geringen Wissensstand bezüglich digitaler Themen wider.
Vergleicht man jedoch die Veränderungen innerhalb der letzten drei Jahre, so zeigt sich eine positive Entwicklung: 2009 war jeder Dritte in der Bevölkerung dieser Gruppe zugeordnet (35 Prozent), 2011 ist es nur noch jeder Vierte. Dies zeigt sich auch beim digitalen Potenzial: 38 Prozent der Digitalen Außenseiter verfügen aktuell über PC bzw. Notebook (2010: 27 Prozent), privaten Internetzugang haben derzeit neun Prozent – dieser Anteil hat sich im Vergleich zum Vorjahr mehr als verdoppelt (2010: vier Prozent).
Nach dem Rückgang ihrer Kompetenzen im Vorjahr, kann nun wieder eine Anpassung des digitalen Potenzials zum Niveau 2009 festgestellt werden. Jeder Vierte kann bereits einfache Aufgaben erledigen, wie Briefe am Computer schreiben (22 Prozent), zwölf Prozent nutzen das Internet inzwischen zur Recherche. Der Wissensstand zu digitalen Themen in dieser Gruppe ist jedoch auch 2011 auf niedrigem Niveau: Unter E-Mail können sich lediglich 36 Prozent etwas vorstellen; vor allem sicherheitsrelevante Begriffe sind nur einem sehr geringen Teil der Außenseiter bekannt (Firewall: sieben Prozent; Verschlüsselung: acht Prozent).
Der typische Vertreter des Gelegenheitsnutzers (28 Prozent der Bevölkerung wie auch im Jahr 2010) ist 46,8 Jahre alt, lebt in einer Partnerschaft oder Familie; jeder Zweite ist berufstätig. Im Bereich der digitalen Infrastruktur zeichnet sich die Gruppe durch eine gute Grundausstattung aus: 97 Prozent haben einen PC beziehungsweise ein Notebook, 94 Prozent verfügen über einen Drucker, immerhin drei Viertel besitzen einen Scanner oder eine Digitalkamera. Auch der private Internetzugang ist weitgehend vorhanden (84 Prozent), allerdings wird er vergleichsweise wenig intensiv genutzt, ebenso wie der privat vorhandene Computer.
Der Gelegenheitsnutzer besitzt die wesentlichen Basiskompetenzen, die ihm den Alltag erleichtern – Suchkompetenz und die Bewältigung von einfachen Textverarbeitungsaufgaben ist bei über 80 Prozent dieses Typs vorhanden, bei komplexen Fähigkeiten besteht jedoch auch 2011 noch Nachholbedarf. Ähnlich ist auch der aktuelle Stand beim digitalen Wissen: Basisbegriffe wie E-Mail (94 Prozent) und auch sicherheitsrelevante Begriffe (Passwortschutz 71 Prozent, Viren und Trojaner 68 Prozent) sind einem Großteil bekannt. Komplexere Begriffe wie Tracking-Cookies bleiben auf niedrigem Niveau stabil. Auch in der Anwendungsvielfalt ist keine Weiterentwicklung zu sehen: Der Gelegenheitsnutzer verwendet weiterhin hauptsächlich Basisanwendungen wie E-Mail, Internetsuche, Textverarbeitung, liest Nachrichten im Netz oder vergleicht Preise. Es gibt kein großes Interesse an den Möglichkeiten des Web 2.0.
Bevölkerungstechnisch spielt die Digitale Avantgarde eigentlich eine Außenseiterrolle. Mit fünf Prozent ist sie die kleinste Gruppe innerhalb der digitalen Gesellschaft in Deutschland. Der Anteil der Digitalen Avantgarde ist zur Vorjahresbefragung nicht gestiegen, dennoch ist eine Veränderung innerhalb der Gruppe zu sehen. Internet und Computer bestimmen einen Großteil des Tagesablaufs: Durchschnittlich verbringt dieser Nutzertyp rund acht Stunden vor dem Computer und neun Stunden im Internet. Diese hohen Nutzungsraten spiegeln sich auch in der Infrastrukturausstattung wider: Privat verfügen 95 Prozent der Digitalen Avantgarde über einen DSL-Anschluss (Wachstum von sieben Prozentpunkten), gleichzeitig ist auch der Anteil mobiler Internetanschlüsse um 19 Prozentpunkte auf 65 Prozent gestiegen.
Die Digitale Avantgarde kann sich ein Leben ohne Internet nicht mehr vorstellen. Im privaten Umfeld sind sie oft Ratgeber in digitalen Fragen. Dies liegt auch daran, dass sie aufgeschlossen gegenüber IKT-Neuerungen sind, so beispielsweise bei der Tablet-Nutzung. 2011 nutzen bereits zwölf Prozent der Digitalen Avantgarde die mobilen Endgeräte – weitere 22 Prozent planen die Nutzung innerhalb der nächsten zwölf Monate. Die Infrastrukturausstattung der Digitalen Avantgarde ist im Vergleich auf sehr hohem Niveau, ebenso wie die Nutzungsvielfalt. Online spielen 42 Prozent, Musik hören und downloaden 75 Prozent.
Wie auch im letzten Jahr ist das mobile Internet ein wesentlicher Treiber für die Entwicklung der digitalen Gesellschaft. 2010 spielte das Thema hauptsächlich bei der Digitalen Avantgarde eine große Rolle. Inzwischen hat das mobile Internet bei allen Typen einen Platz gefunden – selbst bei Digitalen Außenseitern. Positiv wirkt sich hier die Entwicklung des Smartphone-Marktes aus. Derzeit nutzen laut „AGOF Mobile Facts“ bereits 16,9 Millionen Deutsche das mobile Internet. Doch auch Tablet-Computer unterstützen den „mobilen“ Trend: Obwohl derzeit erst vier Prozent der Deutschen Tablet-Computer verwenden, planen weitere sieben Prozent innerhalb der nächsten zwölf Monate die Nutzung. Die Digitale Avantgarde ist auch hier mit derzeit zwölf Prozent Nutzern und 22 Prozent Nutzungsplanern führend. Schon heute zeigen die Ergebnisse von Studien wie „Digital Life 2011“, dass der Tablet-Computer zu anderen, neuen Nutzungsgewohnheiten führt als der „klassische“ PC und möglicherweise bietet diese Gerätekategorie ja auch die Chance, zumindest einen Teil der bislang digital wenig Erreichten an die digitale Welt heranzuführen: Tablet-Computer sind einfacher und intuitiver zu bedienen als ein PC, erledigen aber viele seiner klassischen Aufgaben.
Zur Studie: Methodensteckbrief
- Grundgesamtheit: deutschsprachige Wohnbevölkerung ab 14 Jahren mit Festnetz-Telefonanschluss im Haushalt (ca. 70,5 Millionen Personen)
- Stichprobenziehung: Standardisiertes Zufallsverfahren (random last two digits) auf Basis des ADM-Telefonmastersample
- Anzahl Interviews: Durchführung von 1.000 Interviews im Zeitraum 10.10.2011 bis 17.10.2011 - Repräsentative, auf die Grundgesamtheit hochrechenbare Stichprobe
- Erhebungsmethode: Computer Assisted Telephone Interviews (CATI)
Mehr Infos:
Die Nutzertypen der digitalen Gesellschaft
www.digitale-gesellschaft.info
Online-Verhalten von Nutzern
www.tnsdigitallife.com
Die AGOF Markt-Media-Studie zu mobilen Reichweiten
mobilefacts.agof.de